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Balu's Blog

Ich bin ja kein Nazi, aber ...

Wenn die Toleranztür nur in eine Richtung schwingt.

  • 27 Januar 2016
  • Autor: ejk
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Ich bin ja kein Nazi, aber ...

Eigentlich (ich hasse das Wort) wollte ich über diese Thematik nicht mehr schreiben, ... aber ES zwingt mich förmlich dazu. Was auch immer ES ist - vielleicht mein überwältigender Gerechtigkeitssinn ;)
»Ich bin ja kein Nazi, aber ... » - viele Beiträge in sozialen Netzwerken und Statements von interviewten Passanten wurden in den letzten Monaten mit diesen Worten eingeleitet. Allein schon, dass Menschen sich dazu genötigt fühlen, eine Meinungsäußerung mit diesen Worten zu beginnen, zeigt von einer Gesellschaft, in der der Begriff Meinungsfreiheit nur noch ein schönes Wort ist, um sich von jenen Ländern zu unterscheiden, in denen diese, nach unseren Maßstäben, nicht gegeben ist.
Vor einigen Wochen wurde ich für einen Kommentar zu irgendeinem Post für die Frage geprügelt, wo denn nun der große Unterschied bestünde zwischen UNSERER Meinungsfreiheit und jener in Russland oder China.
Da ich auf Grund meiner beruflichen Tätigkeit, meiner vielfältigen Interessen, meiner offenen Persönlichkeit und meiner Bereitschaft, mich mit anderen Völkern und Meinungen auseinanderzusetzen, mit sehr vielen Menschen unterschiedlichster Nation, Glaubensrichtung und Gesinnung zusammenkomme und mich mit denen auch gerne unterhalte, denke ich auch ein etwas breiteres Bild der Welt zu haben. Mag sein, dass das überheblich klingt, mag sein, dass es das auch ist.
Ich habe mich mit Russen und Chinesen (neben vielen anderen Thema) über Meinungsfreiheit in ihren Ländern unterhalten und erhielt beinahe gleichlautende Antworten. Du kannst in unserem Land (China/Russland) alles sagen, aber halt nur eingeschränkt Kritik an der Regierung üben. Den Meisten ist das auch vollkommen egal, denn die meisten sind froh, dass sie ihr Auskommen haben. Über die Regierung motzen zudem in erster Linie die, die selber gerne das Sagen hätten.

Wie sieht es bei uns aus. Man darf zwar über die Regierung schimpfen, was das Zeug hält. Man darf die deutsche Bundeskanzlerin in pornografischen Darstellungen auf FB posten, aber man darf nichts anzweifeln oder kritisieren oder gar in Frage stellen, was auch nur im entferntesten mit Flüchtlingen, Islam oder »Wir schaffen das (nicht)« zu tun hat. Nein, nein, wir haben keine Verfolgung durch die Regierenden oder die Staatsgewalt zu fürchten. Doch wir setzen uns dem Zorn, dem Schimpf und der Schande großer Teile der Bevölkerung aus. Was in anderen Ländern die Staatsgewalt verbietet, erledigt bei uns die Gesellschaft. Präziser, die politisch korrekte Gesellschaft.

Was ist nun political correctness. Political Correctness ist die Idee, Ausdrücke und Handlungen zu unterlassen, die Gruppen von Menschen kränken oder beleidigen könnte. Indem eine Gruppe von Menschen, Interessensvertreter, Gesinnungsgenossen, Religionsgemeinschaften, Ethnien, wer auch immer ... erklären, wodurch sie sich gekränkt oder beleidigt fühlen, definieren sie auch, was nicht mehr gesagt werden darf. Damit wird die Rede- und Meinungsfreiheit eindeutig zensiert.
Das bedeutet nun weiter, dass eine politische Macht, die bestimmte Interessen durchsetzen möchte, aber nicht offen zensieren will, nichts anderes zu tun hat, als dafür zu sorgen, dass sich irgendjemand - möglichst eine größere Gruppe - von bestimmten Aussagen und Meinungen beleidigt fühlt. Den Rest erledigt die »gute« Gesellschaft.

Zurück zum Blogtitel und ein paar Beispiele dazu:
 »Ich bin ja kein Nazi, aber die Kreuze in den Schulklassen beleidigen meinen Glauben. Ich möchte, dass diese abgenommen werden.«
»Ich bin ja kein Nazi, aber ich möchte nicht, dass meine Kinder von Lehrerinnen unterrichtet werden, die kein Kopftuch tragen.«
»Ich bin ja kein Nazi, aber wenn sich Mädchen nicht bedecken/verschleiern, dann muss ihnen klar sein, dass ich sie begrabsche.«
»Ich bin ja kein Nazi, aber ich habe das Recht, ohne Papiere in dein Land zu kommen und zu verlangen, dass du für angemessene Unterkunft, Verpflegung und Taschengeld sorgst.«
»Ich bin ja kein Nazi, aber ich erwarte, dass du für die Reinigung meiner Unterkunft, eine Putzkraft zur Verfügung stellst.«

... einen hab ich noch!

»Ich bin ja kein Nazi, aber ich erwarte, dass du meine Lebensweise, meinen Glauben, meine Gebräuche und meine Meinung respektierst.«

Oh ja, ich gebe zu, dass die ersten fünf Beispiele provozierend, polemisch und vielleicht auch geschmacklos sind. Aber das sind sie nur für jene, die mit dem Finger auf die zeigen, von denen sie behaupten, sie seien Nazis. Für jene, die ihre Argumentation mit den Worten »Ich bin ja kein Nazi, aber ...«, einleiten müssen, ist das vollkommen verständlich.

Das letzte Beispiel ist da schon verzwickter. Denn ohne die Einleitung (»ich bin ...«),  bleibt, ein Grundrecht, das wir ALLE haben. Das Recht eine eigene Meinung zu haben und diese auch äußern zu dürfen, ohne dafür als Nazi, Ausländerfeind oder sonstwie tituliert zu werden. Genauso, wie andere »refugees welcome« rufen zu dürfen.

Wer Toleranz für sich selbst und seine »Schützlinge« fordert, muss dieselbe Toleranz auch denen gewähren, die nicht zum eigenen Kreis gehören. Sonst ist es keine Toleranz, sondern Heuchelei. Ein guter Mensch ist zudem immer gut, nicht nur dann, wenn es bequem ist und dem eigenen Selbstwertgefühl dient.

PS: In diesem Artikel geht es nicht um Flüchtlinge JA oder NEIN, sondern um Meinungsfreiheit und Toleranz.
PPS: Flüchtlingen ist zu helfen!

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Kategorien: Gesellschaft, Politik
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