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Seit wann denke ich so, wie ich denke?

Der erste Schritt, sich selbst kennenzulernen

  • 21 Dezember 2015
  • Autor: ejk
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Seit wann denke ich so, wie ich denke?

Das war die Schlüsselfrage, die ich am Ende meines letzten Eintrags aufgeworfen habe. Diese Frage lässt sich nun beliebig erweitern. Seit wann bin ich, wie ich bin? Seit wann nehme ich mich so wahr, wie ich mich wahrnehme? Wann habe ich begonnen, in dieser Weise über mich selbst nachzudenken? Wer bin ich? Was bin ich? Wie bin ich? Unter welchen UMSTÄNDEN bin ich das alles? Oder wie es Richard David Precht in seinem gleichnamigen Buch formuliert: »Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?

In zahllosen Anekdoten und Witzen wird behauptet, dass Frauen schwer zu verstehen seien. Ich behaupte, dass es weit schwieriger ist, sich selbst zu verstehen. Warum?

Wir stehen uns zu nahe. Wir mögen uns zu sehr, als dass wir uns selbst in die Pfanne hauen oder wir mögen uns zu wenig, um uns das Beste zuzutrauen. Schon die Frage, ob wir uns selbst in der optimalen Weise mögen oder nicht, ist oft nur nach langen Jahren intensiver Selbstbeobachtung, mit zweifelhafter Richtigkeit, zu beantworten. Aber mit der Fähigkeit zur Selbstbeobachtung fängt alles an. Ich kann mich nur selbst kennenlernen, wenn ich in der Lage bin, mich selbst zu beobachten. Wenn ich es schaffe, in den unterschiedlichsten Situationen meines Alltags einen Schritt zur Seite zu machen und meine Handlungen, mein Denken und mein Sein aus einer Beobachter-Perspektive zu betrachten. - Nein, ... das hat noch lange nichts mich Schizophrenie zu tun. ;)
Versuche selbst einmal, jetzt in diesem Augenblick, innezuhalten und dich bei dem, was du grade tust zu beobachten. Klar, du liest gerade diese Zeilen, aber was tust du noch? Kannst du dir mit einem Teil deiner Wahrnehmung zusehen, wie du diese Worte liest. Schaffst du es, ohne mit dem Lesen aufzuhören? Ich wage zu behaupten, dass es dir kaum gelingen wird. Schon gar nicht beim ersten Versuch. Gerade Lesen ist eine Tätigkeit, bei der sehr viel in unserem Kopf - ich meine sogar, mit »uns« als Ganzes - passiert.
Versuche es daher Anfangs mit Routinetätigkeiten: Beim Aufstehen, beim Waschen und Zähneputzen, beim Ankleiden, Frühstücken ... bei Tätigkeiten, die nur wenig deiner bewussten Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Dann kannst du versuchen, dir selbst beim Denken zuzuhören. Das kann so weit gehen, dass in deinem Kopf ein Gespräch zwischen zwei Teilen deiner selbst abläuft, dem du als Dritter, interessiert zuhörst. Na OK ... jetzt wird’s vielleicht ein bisschen »Schizo«. Nein! Nein! ... Keine Angst! Solange dieser Vorgang bewusst erfolgt, ist alles in Ordnung.

Wenn es dir nun gelingt, immer mehr Situationen deines Alltags bewusst »zu beobachten«, wirst du bemerken, dass dein Alltag auch immer mehr zum »bewussten Erleben« wird. Du wirst deinen Alltag immer häufiger mitgestalten und er wird dir immer seltener einfach nur passieren. Das was passiert, wenn man nicht aufpasst, ist nämlich das, was viele als Leben bezeichnen - das aber keines ist.
Echtes Leben findet nur in den bewussten Momenten statt. Echtes Leben ist das, was Erinnerungen schafft, Gefühle erzeugt und uns den Wunsch nach »mehr« verleiht und uns die Möglichkeit gibt, uns zu entwickeln.
Alles andere ist nur das Vergehen unserer Lebenszeit und der Grund dafür, dass wir Angst vor dem Sterben haben - Angst, nicht genug Zeit zu haben. Aber wofür wollen wir mehr Zeit, wenn wir sie doch nicht bewusst nutzen.

Aber wieder zurück. Wir sind ja erst dabei uns selbst kennenzulernen. Da wollen wir nicht gleich an unser Ende denken.

Diese Beobachtung muss im nächsten Schritt wertfrei erfolgen. Sich selbst bei etwas zu beobachten und gleichzeitig eine Beurteilung oder gar eine Ver-Urteilung abzugeben ist nicht hilfreich, um uns selbst kennenzulernen. Wenn wir uns selbst bei jeder Beobachtung verurteilen, dann fühlen wir uns nicht wohl, sind verletzt oder schämen uns gar. Unangenehmen Gefühlen gehen wir aber so gut wie möglich aus dem Weg. Konsequenz daraus wäre nun, dass wir unserer eigenen Verurteilung aus dem Weg gehen, indem wir aufhören, uns selbst zu beobachten. Wir würden aufhören, uns kennenzulernen, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen und würden auch aufhören, über uns nachzudenken. Wir würden aufhören, uns unserer selbst bewusst zu sein. Wo bewusstes Leben aufhört, beginnt unbewusstes vegetieren. Wir sehen, es dreht sich irgendwie alles im Kreis.

Wenn wir unser Denken, Fühlen und Handeln bewusst beobachten können und diese Beobachtung wert- und urteilsfrei erfolgt, können wir beginnen, das Beobachtete zu reflektieren. Wir können anfangen, Zusammenhänge herauszufinden. Wir können Abhängigkeiten feststellen, wann wir wie denken, handeln oder fühlen. Damit können wir nun herausfinden, welche eigenen Überzeugungen und Muster dem zugrunde liegen. Und da, wo wir erkennen, warum etwas (wir selbst) ist, wie es ist, dort entsteht Verständnis. Wo wir Verständnis entwickeln, bauen wir die Basis für Zuneigung, Liebe und auch für Veränderung.
Hier finden wir auch die Grundlage für alles, was wir in unserem Leben nicht so gerne haben wollen. Umstände, die uns nicht gefallen, haben ihren Ursprung immer in dem, was wir denken und tun. Aber davon später mehr.

Nun ist mir durchaus bewusst, dass es ein sehr, sehr langer Weg ist, alles über sich selbst durch reine Selbstbeobachtung zu erfahren. Wir alle suchen doch ständig nach Möglichkeiten uns Zeit zu sparen und nehmen gerne Abkürzungen, sofern sie sich bieten.
Alles was wir selbst erfahren, uns selbst erarbeiten und selbst erkennen ist zwar der bessere, nachhaltigere Weg aber auch Abkürzungen führen mitunter zum Ziel - und das ist ja auch schon was. Eine Möglichkeit wäre natürlich, andere zu fragen wie sie uns sehen ;)

Es gibt unzählige Methoden und Werkzeuge, sich selbst kennenzulernen. Einige dieser Methoden sind wissenschaftlich, einige psychologisch und wieder andere esoterisch.
Meine Erfahrung ist, dass es egal ist, welches Werkzeug wir »auf dem Weg der Erleuchtung« wählen, ein jedes hat seine Berechtigung und seinen Platz in dieser Welt. Der Eine mag lieber mit wissenschaftlich überprüften Werkzeugen hantieren, die Andere sich eher einem Psychologen anvertrauen. Aber auch der esoterische Weg funktioniert.
Wir alle müssen selbst herausfinden, welcher Weg uns angenehmer erscheint.

Im nächsten Teil (vielleicht werden es auch mehrere) werde ich einige dieser Werkzeuge aus unterschiedlichen Bereichen vorstellen und versuchen einige Quellen anzugeben, wo du selbst aktiv werden kannst.

Foto: Antony Ruggiero

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Kategorien: Wer bin ich?
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