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Warum wir sind, wie wir sind

oder - jeder baut sich seine eigene Welt

  • 23 Oktober 2015
  • Autor: ejk
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Warum wir sind, wie wir sind

Knapp vor der Geburt - und vielleicht auch gleich danach - sind wir noch im Vollbesitz unseres gesamten Potentials. Vor uns liegt ein erfülltes, glückliches Leben. Wir haben alle Kraft, Stärke, Macht und Möglichkeiten, intelligent, kreativ, erfolgreich und zufrieden zu werden.,

 


Doch kaum haben wir die geschützte Umgebung des Mutterleibs verlassen, greifen Umwelt, Erfahrung, Erziehung und Bildung nach uns, kauen uns kräftig durch und spucken uns mit dem Stempel »NORMAL« auf der Stirn wieder aus.

Kaum dass wir die Welt um uns wahrnehmen können, geschieht etwas mit uns. Wir sammeln Eindrücke und Erlebnisse, wir machen Erfahrungen, werden gestutzt und korrigiert und zu einem mehr oder weniger wertvollen Mitglied der Gesellschaft gemacht.
Alles, was wir beobachten, empfinden und auffassen, formt und bildet uns. Es führt uns zu Erkenntnissen und gestaltet Überzeugungen. (Überzeugungen sind Glaubenssätze bzw. Aussagen, von deren Richtigkeit wir überzeugt sind.)

Wenn wir also in unser Leben starten, liegt eine gewaltige Zukunft vor uns. Die Welt ist spannend und voller Abenteuer. In ihr tummeln sich fabelhafte Wesen, nichts ist unmöglich und alles wartet nur darauf, dass wir es entdecken.

Doch dann wird uns Schritt für Schritt die »richtige« Welt erklärt. Wir erfahren, was erwünscht oder was falsch ist, lernen, was man von uns erwartet und was so gar nicht geht. Wir werden erwachsen, aufgeklärt und vernünftig. Drachen, Einhörner, Nikolaus und Christkind weichen Realität, klarem Verstand und jeder Menge Regeln. Wir erfahren, dass es viel mehr gibt, was wir nicht können, als wozu wir in der Lage sind. Fantasie, der Glaube an Möglichkeiten und die Überzeugung unschlagbar zu sein, weichen Hindernissen, Reglements und Einschränkungen. Unsere Flügel werden gestutzt und unser Verstand zurechtgebogen.

Wir hören mitunter sogar auf, uns selbst zu suchen, uns selbst zu entwickeln und beginnen »Vorbildern« nachzueifern, nur weil andere diese Vorbilder erstrebenswert finden. Und da wir geliebt werden und dazugehören wollen, spielen wir die Rolle, die man von uns erwartet.

 

Alles, was wir bis dahin erfahren haben, hat nun die Welt geschaffen, die wir - in uns und um uns - wahrnehmen; für wahr halten. All, das, was wir bisher erlebt haben, hat uns geprägt und zu dem gemacht, was wir sind.
Wir sind nicht in der Lage, die Welt so zu sehen, wie sie ist, sondern nur so, wie man uns beigebracht hat, sie zu sehen. Wie wir den Umgang unserer Eltern miteinander erlebt haben, bestimmt mit, wie wir unsere eigenen Beziehungen gestalten. Wie wir unsere eigene Erziehung empfunden haben, entscheidet mit, wie wir mit unseren Kindern umgehen.

Alles, was wir sehen, erleben und empfinden, erreicht uns durch eine ganze Reihe von Filtern, die uns Eltern, Nachbarn, Lehrer und Gesellschaft auf die Augen gedrückt haben. Unsere Welt wurde uns anerzogen - von uns erfahren und wird deshalb von uns auch als Real anerkannt. Wir sind nicht in der Lage, die Welt OBJEKTIV wahrzunehmen. Wir konstruieren uns die Welt, in der wir leben, in jedem Augenblick auf Basis unserer Erfahrungen und Überzeugungen selbst.

 


Jeder andere Mensch hat jedoch seine ganz individuellen Erfahrungen und damit seine ganz individuelle Sichtweise auf die Welt. Er sieht die Welt ebenfalls SUBJEKTIV. (Über »Meine Welt - Deine Welt« erfährst du hier in Kürze in einem anderen Artikel mehr.)

Wenn wir nun das Ergebnis unseres bisherigen ER-Lebens sind, dann scheinen wir ja schuldlos daran zu sein, wer oder was wir sind. Bis zu diesem Punkt stimmt das auch in einem gewissen Sinne und viele sehen sich auch gerne in der Opferrolle.
Doch trotz all der Einflüsse auf unser Sein und aller Umstände, mit denen wir konfrontiert wurden und weiterhin täglich werden, ist uns eines geblieben: Die Fähigkeit zu denken - nach-zudenken - zu über-denken - neue Überzeugungen zu gewinnen. Mag sein, dass die Verantwortung dafür, wie wir die Welt sehen, zu einem gewissen Teil bei anderen liegt. Doch dafür, was wir in Zukunft tun, ob wir die Welt neu entdecken oder nicht, sind ausschließlich wir selbst verantwortlich.

Unsere Vergangenheit bestimmt das Heute - aber unsere Überzeugungen bestimmen das Morgen!

Wir müssen uns bemühen, unsere Vergangenheit und ihre Auswirkungen auf das Heute zu verstehen. Wir müssen Verständnis dafür aufbringen, warum wir in verschiedenen Situationen auf bestimmte Art reagieren und uns bewusst werden, warum wir Menschen auf die eine oder andere Weise begegnen. Wenn wir herausfinden, warum wir die einen sympathisch finden und die anderen fürchten, erlangen wir Kontrolle über uns selbst und unsere Umwelt. Wenn wir verstehen, warum wir Spaß daran haben, in dunklen Kellern zu stöbern, während andere keinen Fuß dahin setzen, lernen wir mit Freuden und Ängsten umzugehen.

Unsere Gene habe ich in diesem Beitrag noch gar nicht angesprochen. Das liegt daran, dass ich sie zum Potential zähle und nicht als bestimmenden Faktor für unser Leben. Zudem gibt es eine Reihe von Untersuchungen, die belegen, dass vor allem unsere Überzeugungen dafür ausschlaggebend sind, WIE unsere Gene »gelesen« werden und wie die Informationen aus ihnen, tatsächlich im Leben umgesetzt werden. Aber auch dazu an anderer Stelle mehr.

TIPP: Schreib dir 3 Erlebnisse aus deiner Vergangenheit auf, die noch immer eine Wirkung auf dein heutiges Leben haben. Wenn die Auswirkungen nicht positiv sind, dann überlege, was du tun kannst, um deine Überzeugungen zu verbessern.
Demnächst: »Meine Welt - Deine Welt« - oder was passiert, wenn wir uns lieben (oder auch nicht)?

Pferd: Herman Brinkman

Esel: lyubomir lyubenov
Auge: Gabriel Pico

Vera F. Birkenbihl: Video
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Kategorien: Konstruktivismus
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